Musiktheater von Michael Hirsch nach Franz Kafka in einer Fassung von leitundlause (Uraufführung) 


mit:
Sabine Hilscher, Bettina Hoppe, Irmtraud Korstkotte, Ursula Renneke, Mariel Jana Supka

Licht: Rainer Grönhagen
Projektionen: Jörg Scherrmann
Objektbau: Aino Stratemann

Bühne/Kostüme: Sabine Hilscher
Regie: Matthias Rebstock

staatsbankberlin/ Französische Straße 35/ 22./23./24. August 2003

 

Beschreibung eines Kampfes


Die Komposition ‚Beschreibung eines Kampfes‘ (1986/92) von Michael Hirsch ist ein formal offen angelegtes Musiktheater-Projekt nach der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka. Dabei geht es nicht um die Dramatisierung der Erzählung, sondern um eine freie musiktheatrale Reaktion - wie ein Spaziergang nach der Lektüre, bei dem das Klima des Textes sowie einzelne Bilder und sprachliche
Klänge im Kopf des Lesers zu wuchern beginnen.

Die Partitur ist zu großen Teilen eine Materialsammlung, von der ausgehend eine eigene Fassung erarbeitet werden muss. Vorgegeben sind neben Textfragmenten aus Kafkas Erzählung und daraus verdichteten Sprachkompositionen von Michael Hirsch produzierte Zuspielbänder, die von kleinen Lautsprechern auf der Bühne abgespielt werden und als „akustisches Bühnenbild“ fungieren.
Darüber hinaus besteht die Komposition aus einer Fülle von Material für kleine Theater- und Objektszenen, die mit der Erzählung Kafkas assoziativ verbunden sind. leitundlause hat daraus eine eigene Version erarbeitet und zeigte im August 2003 ‚Beschreibung eines Kampfes‘ als Uraufführung der Gesamtfassung in der staatsbankberlin.

Die Erzählung von Kafka ist zunächst die Beschreibung eines Spaziergangs: Zwei Männer, die eigentlich nur die Liebe zu einem Mädchen namens Annerl verbindet, begeben sich nachts auf einen Spaziergang durch die Gassen von Prag hinauf zum Laurenziberg.
Dieser Spaziergang führt aber nicht nur von der Stadt in die Natur, sondern auch von einer beklemmenden Wirklichkeit immer tiefer in die Welt des Fantastischen, des Traumes und des Surrealen.

Die Fassung von leitundlause geht in mehrfacher Hinsicht von diesem Motiv des Spaziergangs aus. In den Vorräumen der Staatsbank gab es zwei Klanginstallationen, durch die hindurch die Zuschauer in den Saal gelangten. Dort führte der Weg von der Situation des Lesens hinein in einen „Raum für ungezähmte Träume“ (Kafka). Annerl bzw. die fünf Facetten ihrer Figur liest Bruchstücke aus der Erzählung, in der von ihr die Rede ist, ohne dass sie in ihr tatsächlich auftritt. Die fünf Figuren tauchen ein in die Bilderwelt Kafkas.
Die Bilder vermischen sich, die Bedeutung der Wörter kommt ins Fließen und das Konkrete der Sprache, ihre Klanglichkeit und Körperlichkeit, tritt in den Vordergrund. „Beschreibung eines Kampfes“ ist eine Reise ins Innere der Vorstellungswelt, eine mentale Landkarte des Imaginären – oder einfach ein Stück über das (Kafka) Lesen.